Dein Familiengold
Deine Anleitung · 6 Impulse

Eltern sein, Paar bleiben

Sechs kleine Gewohnheiten für den Familienalltag. Keine davon braucht mehr als ein paar Minuten.

Zum Verständnis

Warum die Kinder es zuerst merken

In vielen Familien passiert dasselbe: Aus zwei Menschen, die zusammen sind, wird ein gut eingespieltes Team. Absprachen funktionieren, der Alltag läuft, und irgendwann fällt auf, dass es lange nur noch um Organisation ging.

Für die Kinder ist das nicht nebensächlich. Die Beziehung zwischen den Erwachsenen ist die Ebene, auf der die Familie ruht. Wenn dort etwas wackelt, spüren Kinder das zuerst, meistens bevor die Erwachsenen es aussprechen.

Es geht dabei nicht um Harmonie. Streit gehört dazu. Es geht darum, dass die Kinder nicht die Aufgabe übernehmen, zwischen euch etwas zu halten.

Die Anleitung

Die sechs Impulse

Du musst nicht alle umsetzen. Such dir eine Stelle aus und fang dort an.

01

Begrüßt euch zuerst

Zehn Sekunden zwischen euch sparen zwanzig Minuten mit den Kindern.

Die Szene

Einer kommt nach Hause. Bevor die Schuhe aus sind, stürmen die Kinder los, reden durcheinander, wollen alle gleichzeitig etwas. Ihr beide seht euch das erste Mal am Abend um halb neun.

Was da passiert

Kinder prüfen ununterbrochen, ob zwischen den Großen alles in Ordnung ist. Solange sie darauf keine Antwort bekommen, füllen sie die Lücke: mit Lautstärke, mit Klammern, mit Streit. Eure Begrüßung ist für sie keine Nettigkeit, sondern eine Information.

Was du tust

Dreht die Reihenfolge um. Erst ein echtes Hallo zwischen euch, mit Blick und Berührung. Dann die Kinder. Zehn Sekunden reichen.

Sätze, die helfen können

  • Schön, dass du da bist.
  • Einen Moment, ich begrüße erst Papa.
02

Klärt vor den Kindern nichts, was zwischen euch gehört

Kinder dürfen mitbekommen, dass ihr streitet. Sie dürfen nicht Partei werden.

Die Szene

Eine Meinungsverschiedenheit über Bildschirmzeit, mitten im Wohnzimmer, mit Publikum. Und irgendwann fragt einer von euch: Findest du das auch, oder?

Was da passiert

Sobald ein Kind gefragt wird oder sich gefragt fühlt, rutscht es eine Stufe nach oben. Es entscheidet plötzlich in einer Sache, die zwischen zwei Erwachsenen gehört. Das überfordert es, auch wenn es sich in dem Moment groß anfühlt.

Was du tust

Vertagt die Sache sichtbar, statt sie zu beenden. Kinder müssen nicht glauben, dass ihr immer einer Meinung seid. Sie müssen sehen, dass ihr es unter euch klärt.

Sätze, die helfen können

  • Das besprechen wir zwei später.
  • Da sind wir uns gerade nicht einig. Wir klären das.
03

Trennt Absprache und Vorwurf

Zwischen Tür und Angel entstehen keine Lösungen, nur Verletzungen.

Die Szene

Beim Zähneputzen der Kinder fällt der Satz: Du machst nie den Abendkram. Zwei Minuten später ist die Stimmung im Keller, und der Abendkram ist immer noch offen.

Was da passiert

Im Familienalltag verschmelzen zwei völlig verschiedene Gespräche: die Organisation und das Gefühl. Beides gleichzeitig funktioniert nicht. Wer im Türrahmen einen Vorwurf hört, verteidigt sich, statt zu planen.

Was du tust

Trenne die beiden. Absprachen laufen kurz und sachlich, am besten zu einer festen Zeit in der Woche. Was verletzt ist, bekommt einen eigenen Moment, ohne Aufgabenliste.

04

Nehmt euch einen Termin, den ihr nicht verschiebt

Was keinen Termin hat, findet im Familienalltag nicht statt.

Die Szene

Ihr sagt seit Monaten, dass ihr mal wieder was zu zweit machen solltet. Und dann ist wieder ein Kind krank, ein Projekt dringend, ein Wochenende voll.

Was da passiert

Alles andere im Familienleben hat einen festen Platz: Kita, Arbeit, Sport, Schlafenszeiten. Nur die Paarzeit ist der Rest, der übrig bleibt. Es bleibt aber nie etwas übrig.

Was du tust

Setzt einen festen Termin, klein genug, dass er realistisch ist. Ein Abend im Monat ist besser als ein Wochenende, das ihr euch vornehmt und nie nehmt. Behandelt ihn wie einen Termin, den ihr nicht absagen würdet.

05

Redet auch über etwas anderes als die Kinder

Ihr wart ein Paar, bevor ihr ein Team wurdet.

Die Szene

Der erste Satz nach dem Zubettbringen handelt vom Kind. Der zweite auch. Und der letzte vor dem Einschlafen.

Was da passiert

Wenn ein Paar über Monate nur noch über Organisation und Kinder spricht, verschwindet nicht die Zuneigung, aber die Verbindung wird schmal. Man weiß dann alles über den Alltag des anderen und wenig über den anderen selbst.

Was du tust

Nimm dir vor, an einem Abend in der Woche die erste Frage nicht über die Kinder zu stellen. Das klingt banal. Es fällt trotzdem erstaunlich schwer, und genau daran merkt man, wie nötig es ist.

Sätze, die helfen können

  • Wie war dein Tag, ohne die Kinder gerechnet?
  • Worauf freust du dich gerade?
06

Repariert nach dem Streit sichtbar

Kinder lernen aus der Versöhnung mehr als aus dem Streit.

Die Szene

Ihr habt euch am Frühstückstisch angegiftet, vor allen. Später ist es wieder gut, aber das haben die Kinder nicht mitbekommen.

Was da passiert

Wenn Kinder den Bruch sehen und die Reparatur nicht, bleibt für sie der Bruch stehen. Ihr Nervensystem merkt sich: Es kann kippen und dann bleibt es so. Sehen sie die Versöhnung, lernen sie das Gegenteil: Streit ist nicht das Ende.

Was du tust

Macht die Versöhnung sichtbar, ohne den Streit vor den Kindern aufzurollen. Eine kurze Geste, ein Satz. Mehr braucht es nicht.

Sätze, die helfen können

  • Wir haben uns vorhin gestritten. Jetzt ist es wieder gut zwischen uns.
  • Das war doof heute Morgen. Tut mir leid.
Der erste Schritt

Fangt mit dem ersten an

Die Begrüßung ist der kleinste und zugleich wirksamste der sechs. Zehn Sekunden, jeden Tag, bevor die Kinder dran sind.

Es wird nicht sofort alles anders. Aber viele Eltern berichten, dass die erste halbe Stunde nach dem Nachhausekommen ruhiger wird.

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Dieser Guide ist ein Bildungs- und Präventionsangebot und ersetzt keine medizinische, psychologische oder therapeutische Beratung. Bei Unsicherheiten wende dich bitte an entsprechende Fachleute.