Dein Familiengold
Deine Anleitung · 7 Schritte

Wie du Übergänge für dein Kind leichter machst

Anziehen. Losgehen. Vom Spielen zum Essen. Vom Wachsein zum Schlafen. Es sind selten die großen Dinge, an denen ein Tag kippt. Es sind die Momente dazwischen.

Zum Verständnis

Warum ausgerechnet die Übergänge

Ein Übergang verlangt von einem Kind zwei Dinge gleichzeitig: etwas aufhören, das gerade gut war, und in etwas hinein, das es noch nicht überblickt. Für ein Nervensystem, das das gerade erst übt, ist das viel.

Dazu kommt: Ein verlässliches Zeitgefühl entwickelt sich erst nach und nach. „Gleich“ ist für ein kleines Kind kein Zeitraum, sondern ein Wort. Es kann daraus keine Handlung ableiten.

Deshalb hilft an dieser Stelle weder mehr Konsequenz noch die bessere Erklärung. Es hilft ein anderer Ablauf.

Die folgenden sieben Schritte sind genau das, und sie passen auf jeden Übergang, nicht nur auf einen.

Die Anleitung

Die sieben Schritte

01

Kündige an, was dein Kind messen kann

Die Szene

„Wir gehen gleich.“ Fünf Minuten später steht ihr immer noch im Flur, und jetzt ist es dringend.

Was da passiert

„Gleich“ ist keine Zeitangabe, sondern ein Gefühl. Deins. Dein Kind kann es nicht in Handlung übersetzen, also handelt es nicht. Das ist kein Ignorieren, es ist ein Übersetzungsproblem.

Was du tust

Gib ihm etwas, das es selbst prüfen kann. Ein Ende, das es hört oder sieht.

  • Wenn das Lied zu Ende ist, ziehen wir die Schuhe an.
  • Noch zweimal rutschen, dann gehen wir.
  • Wenn der Turm fertig ist, kommst du zum Essen.
02

Geh hin, statt zu rufen

Die Szene

Du rufst aus der Küche. Nichts. Du rufst noch einmal, lauter. Wieder nichts. Beim dritten Mal bist du selbst schon angespannt.

Was da passiert

Aus dem Nebenraum konkurrierst du mit dem, was direkt vor der Nase deines Kindes passiert, und verlierst fast immer. Was in diesem Moment fehlt, ist keine Lautstärke, sondern Nähe.

Was du tust

Sag es einmal. Geh dann hin, statt es zu wiederholen. Auf Augenhöhe, eine kurze Berührung an der Schulter, und dann noch einmal derselbe Satz. Nicht lauter, näher.

03

Steig kurz ein, bevor du beendest

Die Szene

Du kommst ins Zimmer und sagst „Aufräumen“. Der Widerstand ist da, bevor du den Satz zu Ende gesprochen hast.

Was da passiert

Von außen unterbrochen zu werden fühlt sich anders an als selbst aufzuhören. Wer mitten im Spiel steckt, erlebt die Ansage als Gegner und wehrt sich gegen den Gegner, nicht gegen das Aufräumen.

Was du tust

Steig für dreißig Sekunden ein, bevor du beendest. Frag etwas über das, was gerade passiert. Danach ist der Wechsel keine Unterbrechung mehr, sondern ein gemeinsamer nächster Schritt.

  • Oh, wer wohnt denn in dem Turm?
  • Zeig mir noch, was das Auto kann. Und dann gehen wir essen.
04

Benenne, was dein Kind aufgeben muss

Die Szene

„Jetzt stell dich nicht so an, wir kommen doch morgen wieder.“ Und es wird nur schlimmer.

Was da passiert

Wegreden macht ein Gefühl nicht kleiner. Es macht es einsam. Dein Kind hört: Was ich gerade fühle, zählt nicht. Und muss dann lauter werden, damit es doch zählt.

Was du tust

Sag zuerst, was wahr ist. Ein Satz reicht, und er muss nichts lösen. Erst danach kommt der nächste Schritt.

  • Du willst noch weiterbauen. Das ist blöd.
  • Ich weiß, du hättest gern noch länger gespielt.
05

Lass es das Wie entscheiden, nicht das Ob

Die Szene

Jede Bitte wird zur Verhandlung. Am Ende diskutiert ihr über Socken.

Was da passiert

Ein Kind, das den ganzen Tag nichts entscheiden darf, sucht sich etwas zum Entscheiden. Meistens findet es das Ob, und das ist genau die Frage, die nicht zur Wahl steht.

Was du tust

Gib ihm das Wie, bevor es sich das Ob nimmt. Zwei Möglichkeiten, beide für dich in Ordnung.

  • Läufst du zur Tür oder hüpfst du?
  • Erst Zähne oder erst Schlafanzug?
  • Trägst du die Jacke oder ziehst du sie an?
06

Mach es jedes Mal gleich

Die Szene

Jeden Abend dieselbe Diskussion, obwohl ihr jeden Abend dasselbe macht.

Was da passiert

Ein Ablauf, der jedes Mal ein bisschen anders ist, muss jedes Mal neu verhandelt werden. Ein Ablauf, der immer gleich ist, wird irgendwann nicht mehr hinterfragt. Wiederholung ersetzt Erklärung.

Was du tust

Leg drei feste Schritte fest, nicht mehr, und ändere sie mehrere Wochen lang nicht. Die ersten Tage fühlen sich stur an. Danach hört das Verhandeln oft von selbst auf.

07

Fang zehn Minuten früher an

Die Szene

Der Übergang läuft besser als früher, und ihr kommt trotzdem zu spät.

Was da passiert

Ein Übergang braucht Zeit, die vorher niemand eingeplant hat. Er beginnt nicht in dem Moment, in dem ihr losmüsst. Er beginnt davor.

Was du tust

Plane den Übergang als eigenen Programmpunkt, nicht als Übergang zwischen zwei Programmpunkten. Zehn Minuten reichen meistens, und sie sind fast immer schneller wieder drin, als eine Eskalation kostet.

Der erste Schritt

Nicht alle sieben auf einmal

Such dir einen aus. Für diese Woche, für einen einzigen Übergang: den, der bei euch am häufigsten kippt.

Es wird nicht sofort alles anders. Aber du wirst merken, dass ein Teil des Widerstands verschwindet, sobald dein Kind versteht, was passiert und wie lange es noch dauert.

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Diese Anleitung ist ein Bildungs- und Präventionsangebot. Sie ersetzt keine medizinische, psychologische oder therapeutische Beratung.